Read Ebook: Sidsel Langröckchen by Aanrud Hans Bergh Lisbeth Illustrator Michaelis Arthur Illustrator Schmidt Walther R Translator
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Ebook has 594 lines and 27513 words, and 12 pages
Als sie Sidsel sah, sagte sie:
Nein, da ist ja Sidsel schon auf den Beinen. Du bist mir ein flinkes M?del, ich meine, ich muss dich zur Grossmagd machen.
Sidsel wurde auf einmal so verlegen, dass sie sich gar nicht getraute, Kjersti in die Augen zu sehen. Als aber endlich die Sennerin und die andern M?gde die Treppe herabkamen, hob sie unwillk?rlich ihr Stumpfn?schen noch ein bisschen h?her als sonst.
Bald herrschte ?berall auf dem Hofe emsiges Leben und Treiben; aber es war doch nicht wie gew?hnlich. Jedes hatte heute Eile, und es war, als ob alles die Richtung auf den Kuhstall hin n?hme; die T?ren standen weit offen an beiden Seiten des Stalles, und alle nahmen ihren Weg durch den Stall hindurch. Die Fr?hlingsluft str?mte ungehindert hinein, und die K?he drehten sich in ihren St?nden um, bliesen die N?stern auf und schauten hinaus.
Als Kjersti selber hineinging, mit den K?hen redete und der Schellenkuh die Backen klopfte, w?hrend die M?gde dasassen und molken, da begriffen auch die Tiere sofort, was f?r ein Tag heute war. Die Schellenkuh hob den Kopf und br?llte, dass es weit hinausschallte, und das war f?r alle andern das Zeichen; sie rissen an den Ketten, schlugen mit den Schw?nzen und begannen ebenfalls zu br?llen, eine nach der andern, die ganze Reihe abw?rts, so dass der Stall f?rmlich erbebte, ein vielstimmiger, erwartungsvoller Jubelruf, der gar kein Ende nehmen wollte.
Und ?ber das Ganze hinweg h?rte man den Bullen, der so tief, gleichm?ssig und gutm?tig br?llte -- er brauchte sich gar nicht anzustrengen, um geh?rt zu werden.
Obwohl heute alles rascher vor sich ging als sonst, schien es Sidsel Langr?ckchen doch, als dauerte es lange. Sie konnte nicht begreifen, wo die andern die Ruhe hernahmen, dazusitzen und gelassen ihr Fr?hst?ck zu verzehren. Sie war lange vor den andern fertig und fragte, ob sie nicht das Kleinvieh herauslassen d?rfe, die Schafe und die Ziegen. Das d?rfe sie schon, wurde ihr geantwortet. Im Handumdrehen hatte sie die Tiere ins Freie gebracht, und wie gew?hnlich zerstreuten sie sich rasch mit mutwilligen Spr?ngen und langen S?tzen ?ber die Wiesen hin -- nur Krummhorn nahm die Gelegenheit wahr und schl?pfte durch die offne T?r in den Kuhstall hinein. Aber Sidsel hatte keine Zeit, das zu beachten.
Auf einmal wurde es einen Augenblick ganz still; man h?rte ein paar tiefe, vollt?nende Schl?ge einer groben Schelle. Aber es war nur ein Augenblick; dann antwortete vom Kuhstall her ein Jubelgebr?ll, Brummen, Schnauben, Schnieben und Kettenklirren, als ginge ein schweres Gewitter ?ber den Hof nieder. Jetzt verstanden die Tiere, dass es wirklich Ernst war, als sie die Schelle h?rten, die sie, seitdem sie im Herbst in den Stall gekommen waren, nicht wieder geh?rt hatten.
Und da kamen sie in feierlichem Zuge, Kjersti selbst an der Spitze, die Schelle mit dem eisenbeschlagenen Kloben in der Hand, hinter ihr die Sennerin, dann die Untersennerin, die Stallmagd und darauf die beiden Knechte, die dicke Kn?ppel austeilten, -- auch Sidsel bekam einen -- und zu allerletzt B?r, der heute auch mit dabei war.
Sie gingen in den Stall hinein. Da wurde es mit einem Mal wieder still; alle K?he drehten die K?pfe nach der Seite, von wo der Zug hereinkam, und sahen mit grossen, erwartungsvollen Augen drein.
Dann wurde das Vieh verteilt. Die Sennerin sollte die Ketten l?sen. Sidsel, die Untersennerin und die Stallmagd sollten es mit ihrem Stecken durch die T?r hinausleiten; draussen im Viehgatter sollten die Knechte bereitstehen, um die Tiere in Empfang zu nehmen und auf den rechten Weg zu bringen -- das Vieh sollte heute auf den Nordanger -- und diejenigen, die zusammengerieten, trennen, und draussen wollten Kjersti und B?r stehen und sich das Schauspiel durch das Gatter ansehen.
Der grosse Augenblick war gekommen.
Kjersti ging zur Schellenkuh in den Stand hinein. Die richtete sich auf, hob stolz den Kopf, so hoch sie vermochte, und stand bumsstille, wie eine Mauer. Sie wusste genau, dass sie die vornehmste hier war, die als erste durch die Stallt?r aus- und eingehen durfte; sie musste aber auch zeigen, dass sie die Ehre wohl zu w?rdigen verstand, von Kjersti selbst das Ehren- und Machtzeichen, die Schelle, an- und abgeschnallt zu bekommen. Kjersti band ihr die Schelle um den Hals und l?ste ihr die Kette, die klirrend zu Boden fiel. Da schwenkte die Kuh langsam und bed?chtig, wie ein grosses, schweres Schiff, aus dem Stande heraus; feierlich und ernst nahm sie die Richtung auf die T?r zu, den Kopf hoch haltend und so ruhig, dass man kaum die H?rner sich bewegen sah, und die Schelle gab bloss einen kurzen, bestimmten Ton bei jedem Schritte.
Der n?chste war der Bulle; dem l?ste die Sennerin die Kette; der ging ebenso ruhig und schwerf?llig, und seine H?rner ragten so hoch, dass sie beinahe das Dachgeb?lk streiften, und waren so breit, dass es aussah, als f?llten sie den ganzen Mittelgang aus. Sidsel hatte noch nie bemerkt, dass er so gross war. Und dann kamen der Reihe nach die andern, Brandros und Morlik, Kranslin und Reindrople, Svartsi und Drive, Farskol und Litago, Sommerl?v und Spasergang, M?rkei und Guldros, die ganze, lange Reihe abw?rts bis zu den F?rsen, deren Namen keines richtig behalten konnte, und die jungen Ochsen, die ?berhaupt keine Namen hatten. Und je weiter sie den Gang hinunterkamen, um so schneller ging es; sie streckten die H?lse und zerrten an den Ketten, sie st?rzten auf die Kniee, wenn die Kloben an den Ketten nachgaben, sprangen wieder auf, dass es in den Gelenken krachte, liefen geradeswegs gegen die Wand oder oben in den Futtergang hinauf, scharten sich dann alle bei der T?r zusammen, kamen zwei und zwei nebeneinander her, liefen sich so fest, dass ihre dicken B?uche wackelten, und bereits kamen neue von hinten nach und dr?ngten vorw?rts, schlugen mit den H?rnern, stiessen und br?llten; pl?tzlich gab dann der Widerstand vorn nach, und der ganze Klumpen st?rzte ins Freie.
Das Letzte, was Sidsel sah, war Krummhorn, die hinten ausschlug und mit einem langen Satz durch die Stallt?r den andern nachsetzte.
Draussen war L?rm und Leben. Sie hoben die K?pfe, schnauften nach der Halde hinauf, und dann wurden sie wie besessen; alte, steifbeinige K?he schlugen ?berm?tig wie die K?lber mit den Hinterbeinen aus, machten mutwillige S?tze ?ber den Hof hin, gerieten in ihrer Ausgelassenheit aneinander, dass die H?rner nur so krachten, stiessen ein kurzes, wildes Gebr?ll aus, wenn sie den k?rzeren zogen, und fuhren auf eine zweite und dritte los -- das Ganze ward ein einziger grosser Wirrwarr von Schnaufen und Br?llen, Krachen der H?rner und Knacken der Gartenz?une, Aufklatschen und Knallen der Stecken, Rufen und Schreien von Menschenstimmen; und durch den Wirrwarr hindurch bahnte sich der Bulle, auf und abschreitend, die H?rner hoch ?ber dem Ganzen, den Weg wie ein gewaltiger Schneepflug.
Nur die Schellenkuh stand ruhig ein St?ck abseits und sah zu; ihr wagte keines zu nahe zu kommen.
Endlich war die Sennerin an die Spitze des Zugs gekommen und begann zu locken; da hob die Schellenkuh den Kopf, br?llte, dass es weit ?ber den Hof schallte, und sprang hinterdrein. Ihr nach kam Brandros, die immer noch voller Wut schnaubte; nun hatte sie alle gez?chtigt, die es ?berhaupt der M?he wert waren, und hatte sie auch nicht die Schelle bekommen, wollte sie doch wenigstens die n?chste nach der Schellenkuh sein. Ihr wieder dicht auf den Fersen kam Krummhorn angesetzt, den Kopf hoch und mit wichtiger Miene; aber Brandros verstand heute keinen Spass, schlug mit dem einen Hinterbeine aus und traf sie so mitten auf den Kopf, dass es Krummhorn vor den Augen flimmerte. Aber die Ziege sch?ttelte bloss den harten Sch?del -- tat, als wenn gar nichts geschehen w?re -- das war wohl so Sitte unter K?hen.
Das Locken der Sennerin wurde immer lauter, eine nach der andern wurde aufmerksam, kam nachgesetzt, und bald lief der ganze Haufen unter lautem Schnaufen und Br?llen, Rufen und Schellenklang, Locken und klatschenden Schl?gen hastig zum Nordanger hinauf.
Dort oben war das Gel?nde flach und weit weniger gef?hrlich; das Jungvieh t?nzelte in wildem Spiele herum, und hier fand der letzte Kampf statt zwischen denen, die die Kr?fte noch nicht gemessen hatten; denn dieser erste Kampf war f?r den ganzen Sommer entscheidend. Aber bald beruhigten sie sich, und ein paar Stunden sp?ter grasten sie friedlich Seite an Seite.
Die Knechte fingen an, heimzugehen. Bloss die Sennerin und Sidsel sollten noch eine Weile zur?ckbleiben, um aufzupassen, dass nichts geschah. Und richtig, es geschah etwas.
Brandros war die einzige, die sich nicht beruhigen konnte, schnaufend schritt sie hin und her -- eigentlich h?tte sie die sein sollen, die die Schelle trug -- und mit einem Mal fuhr sie wie toll auf die Schellenkuh los. Es entstand ein Ringkampf, dass die Rasenst?cke nur so in der Luft herumflogen; dann h?rte man ein Krachen und ein kurzes, wildes Br?llen -- Brandrosens eines Horn hing gebrochen herab und schlenkerte hin und her. Sie sch?ttelte den Kopf, dass das Blut weit herumspritzte, stiess von neuem ein lautes Br?llen aus, kehrte um und setzte in langen Spr?ngen geradeswegs nach dem Hof zur?ck, auf die Stallt?r zu, und dort begann sie zu br?llen, als ob sie den ganzen Gutshof niederreissen wollte.
Nach dem Mittagessen wurden die K?lber herausgelassen. Sidsel taufte sie Gulddrople, R?dsi und Morskol -- der Ochse sollte noch keinen Namen bekommen --; sie sah wohl, dass Kjersti sich dar?ber wunderte, dass sie kein Tier Bliros genannt hatte, aber sie liess sich nichts merken.
Sie trieben sie aus dem Verschlage heraus und ?ber den Boden des Stalles hin in der Weise, dass jede von den M?gden ihnen einen Bottich mit etwas D?nnmilch vorhielt; die K?lber fuhren mit den K?pfen in die Eimer bis auf den Boden, die M?gde liefen dann mit den K?beln voran, und die K?lber, die auch den letzten Tropfen mitnehmen wollten, ihnen nach, den Eimer wie grosse Hauben ?ber den K?pfen tragend. Draussen vor der Stallt?r schnappten die M?gde ihnen die K?bel wieder weg -- und da standen sie, die noch niemals zuvor ausserhalb des Verschlags gewesen waren, auf einmal inmitten der grossen, wunderlichen, neuen Welt.
Sie sahen nieder und stelzten r?ckw?rts, als st?nden sie auf einer Treppe. Aber bald wagten sie, vorsichtig den einen Fuss vorzusetzen, dann den andern.
Es ging langsam, Schritt f?r Schritt, aber dann -- dann begriffen sie, dass sie auch hier festen Grund unter den F?ssen hatten; dies war bloss ein gr?sserer, aber so herrlich heller Verschlag, wo es gewiss weit bis zur Wand war -- schwupp! reckten sie die Schw?nze gerade in die H?he und setzten davon wie die wildesten Waldtiere.
Das war ein Gelaufe von Zaun zu Zaun, der Kreuz und Quer und rund im Kreise ?ber die weiten Felder hin, und jedes Mal, wenn sie ?ber einen Erdhaufen wegliefen, sahen Kjersti und Sidsel die aufgerichteten Schw?nze sich wie Steuer gegen den Himmel abzeichnen. Sidsel fand, sie habe noch nie so etwas Lustiges gesehen. Aber lange blieben sie nicht beisammen; bald lief jedes in andrer Richtung, und am Abend musste Sidsel sie einzeln aus den entlegensten Winkeln auf dem Felde zusammensuchen und eins nach dem andern wieder mit einem Eimer heimlocken; denn begreiflicherweise hatten sie noch nicht gen?genden Verstand, um zu wissen, dass sie auch wieder nach Hause m?ssten, sie, die zum ersten Male im Freien waren.
Sidsel lag wieder in ihrer kleinen Gangkammer. Es war am Abend des ersten Tages.
Erst sprach sie das kurze Nachtgebet, wie sie zu tun pflegte, streckte sich und f?hlte sich wundervoll wohlig und m?de im ganzen K?rper.
Was das f?r ein Tag gewesen war! Sie wusste er war lang gewesen; aber wie schnell war er ihr vergangen. Sie musste wirklich alles noch einmal ?berdenken.
Aber der Schlummer ?berraschte sie und warf die Bilder bunt durcheinander.
Dort sah sie ein paar grosse H?rner, die wie ein Schneepflug durch ein unentwirrbares Gewimmel hindurchpfl?gten, und dort wieder sah sie Brandros in ihrem Stande stehen; den Kopf zur Seite geneigt und einen grossen Lappen um das eine Horn gewickelt, glich sie genau einem alten Weibe, das sich Kopfschmerzen wegen ein Tuch um die Stirn gebunden hat; und dort -- ihr war, als s?he sie deutlich einen Vers geschrieben, den sie einmal geh?rt hatte:
K?lbchen springen, Schw?nzchen schwingen Hoch in der Luft.
Und dann schlummerte Sidsel Langr?ckchen ein.
Am n?chsten Tage bekam Sidsel Langr?ckchen den Hirtenranzen aufgeschnallt und zog mit dem Kleinvieh in den Wald -- Krummhorn bekam sie nicht mit; die trabte spornstreichs nach dem Nordanger hinauf zu den K?hen.
Dieser Tag wurde ihr lang; es war so wunderlich einsam und still im Walde; sie musste unwillk?rlich an so vielerlei denken, an die Mutter, an Jakob und an Schloss Guckaus, und da konnte es wohl geschehen, dass ihr die Tr?nen kamen.
Die Alpfahrt.
Die Halde jenseits des Tals hinauf zieht ein langer Zug.
Am Kammerfenster daheim steht Kjersti Ho?l und folgt ihm mit den Augen, soweit sie vermag, bis er ?ber dem Bergkamm im Gebirge verschwindet.
An der Spitze reitet die Sennerin auf dem Soldatenpferd, dem ein Frauensattel aufgeschnallt worden ist, ein hohes Gestell wie ein Lehnstuhl; und dort hoch oben thront sie in sonnt?glichem Putz, im weissen Kopftuch, rotb?ckig, rund und selbstbewusst. Nun ist sie die Hauptperson, diejenige, die das Regiment f?hrt.
Nach ihr kommen zwei Knechte, jeder leitet eins der beiden Saumpferde, die unter dem schweren Packsattel im R?cken f?rmlich einsinken. Darauf kommt das Vieh in stolzem Zuge. Erst die Schellenkuh, dann Brandros mit ihrem schiefen Horn, dicht hinter ihr Krummhorn, darauf M?rkei und dann die ganze Schar -- mit Ausnahme von Farskol und Litago, die heuer Stallk?he sein und die K?lber anlernen sollen, mit auf die Weide zu gehen -- bis zum Stier, der zuletzt geht, als h?tte er auf die ganze Schar aufzupassen. Dann kommen die Ziegen, die es immer eilig haben und gern an den andern vorbeikommen m?chten; darauf die Schafe in einem dichten Klumpen, weiterhin vier grosse Schweine, und schliesslich die Untersennerin und Sidsel Langr?ckchen mit dem Hirtenranzen auf dem R?cken.
Im Anfang ist es flott wie im Tanze gegangen; alle erinnern sich des Gebirges vom vorigen Sommer her, alle haben sich dorthin zur?ckgesehnt, es geht keinem rasch genug vorw?rts. Aber je weiter sie bergauf steigen, desto steiler wird es, die Sonne steigt h?her und brennt ihnen auf den R?cken; die Schweine fangen an, zur?ckzubleiben, versuchen, bei jedem Seitenpfad einen Abstecher zu machen, lauern nur darauf, etwas Schatten zu erhaschen oder eine Pf?tze zu finden, in der sie sich abk?hlen k?nnen; die Ziegen und Schafe merken, dass sie hungrig werden, schl?pfen zur Seite, wo sie einen Busch sehen und ein paar Bl?tter abknabbern k?nnen, oder sie entdecken ein Gatter, durch das sie neugierig hindurchgucken m?ssen, oder einen gr?nen Fleck; und die F?rsen, die bisher noch nicht mit auf der Alp gewesen sind, begreifen gar nicht, wozu die unn?tige Eile, und tun einfach nicht mehr mit, wenn nicht der Stecken ?ber ihnen ist.
Also muss Sidsel oft vom Wege abbiegen, hinauf auf Seitenpfade, hinter B?sche und Str?ucher, hinab ins Waldgestr?pp und in den Moorgrund und sie einzeln wieder auflesen, und kaum hat sie sie auf der einen Seite des Weges zusammengetrieben, so wischen sie ihr auf der andern wieder aus.
Sie hat eins ihrer Strumpfb?nder nehmen m?ssen, um den langen Rock heute damit aufzubinden, damit er ihr nicht im Wege ist; denn sie muss t?chtig laufen und sich abm?hen, ununterbrochen locken und rufen.
Es ist wirklich ein schweres St?ck Arbeit; das blonde Haar wird ganz feucht, und ihr Gesicht ist so rot wie eine Preiselbeere; aber sie merkt es gar nicht, so ist sie in Anspruch genommen von all dem, was sie zu tun hat. Denn sie ist den ganzen Sommer ?ber f?r das Kleinvieh verantwortlich, dass keins verloren geht und dass alle fett und blank zum Herbst wieder heimkommen; sie und die Sennerin haben gewissermassen die Verantwortung, jede f?r ihren Teil des Viehbestandes, und wenn es auch bloss die Nachhut ist, die sie hat, so will sie doch nicht die Schande auf sich sitzen haben, dass sie nicht alle vorw?rtsbringen k?nne.
Langsam steigen sie h?her und h?her hinauf, bald liegt das ganze Tal breit und hellgr?n tief unter ihnen. Die Tannen werden niedriger und kahler, die kleinen Birken dichter, bald treffen sie die ersten Abgesandten der Kr?henbeere und Zwergbirke. Aber nun sind sie auch ?ber den Bergkamm gekommen.
Da ist es allen, als ob eine schwere B?rde von ihnen genommen w?re, alle M?digkeit ist von Volk und von Vieh wie weggewischt, die ganze wunderbare Ruhe und Frische des Hochgebirgs str?mt auf sie ein, sie befinden sich wie in einer neuen Welt; vor ihnen liegt das Gebirge mit seinen unendlichen H?henz?gen und Abh?ngen, bis es sich weit, weit in der Ferne in den blauenden Bergspitzen mit ihren weissen Schneestreifen verliert; und sehen sie zur?ck, so ist das Tal weg, versunken; jenseits sehen sie ebenfalls weite Bergr?cken mit blitzenden Wassern und gr?nen Matten.
Alle holen tief Atem und sehen sich um; eine feierliche Ruhe kommt ?ber alles; ganz von selbst ordnet das Vieh sich auf dem steinigen Weg, der sich schier ins Unendliche vorw?rts schl?ngelt; sie versuchen nun nicht mehr zu entwischen, sondern gehen gleichm?ssig und langsam. Nun bekommt auch Sidsel Zeit, sich umzuschauen. So weit hat sie noch nie sehen k?nnen, und hier oben soll sie den ganzen Sommer ?ber bleiben!
Sie f?hlt sich auf einmal so wunderlich klein und nichtig inmitten dieser ?berw?ltigenden, grossartigen Natur; aber ihr wird gar nicht bange, nur feierlich und still zu Mute.
Unwillk?rlich schweiften ihre Gedanken vorw?rts, ?ber diesen Tag, diesen Sommer, ?ber viele Sommer hinaus; einmal wird sie gross und erwachsen sein, wie die Sennerin, die sie dort hoch zu Ross sieht, einmal wird vielleicht auch sie so sitzen und an der Spitze reiten.
Die Saumpferde wollen trotz ihrer schweren Last nicht langsam gehen, sie greifen aus, ?berholen die Sennerin, und bald sind sie ?ber einen Bergkamm verschwunden, allen weit voran. Der Zug kommt langsam nach, Stunde um Stunde geht es vorw?rts ?ber Auen und B?che, an Sennen und Moorgr?nden und klaren Gebirgsw?ssern vor?ber.
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